Viel








Es tropft, es rauscht, es fließt. Es rieselt, hagelt, steigt – Es flutet. Und du bist, bist… Bis es aufhört. Bis es anfängt — 

Schhhh… Wir sind dumm. Wissen wir, wissen wir. Wir denken nicht an Tatsachen. Wir reden nicht von Fakten. Wir sagen Uuh, Oh, Mmmmhh, Aah…

Der weite Himmel aus dichtem Türkies reicht bis zum Boden. Trocknet Schlamm zu Staub und färbt das Meer. Bis es sich selbst schäumend bricht. Licht fließt wie geschmolzene Butter überall hin - über Dich. Deine Haut. Poren öffnen sich. Dein Körper weint, atmet und schwitzt. Im Gesicht, Deine Lippen kribbeln. Trocknen allmählich. Deine Zunge tastet. Zähne sind glatt. Quietschen. 45 Grad. Glühende Brände im Nacken. Klebrige Hände. Hitze wie schwerer Sirup. Überall, Hier bist du…

Eine Art Infekt, perfekter Defekt. Die Sonne bleibt weg. Hinter Feinstaubniederschlägen versteckt. Du atmest ungern. Hältst die Luft an. Magst dies Leben nicht, hängst aber dran. Hältst fest und holst Luft. Deine Lungen wehren sich nicht. Aber rascheln im Schlaf. Die Filter sind dicht, bräuchten Erneuerung. Die Luft ist verschmutzt. Der Boden verbraucht. Minenfelder und Teer. Deine eigene Haut. Alles verbaut. Konstruiert, eskaliert. Der Dreck unter Glanzfassaden versteckt. Blut wird geleckt. Die Zeit beschleunigt und dann überholt. Mit Kerosin getränkt und verkohlt. Verbrannt, explodiert. Die Wahrheit mit unterhaltsamen Reizen kaschiert. Es wird aufmarschiert, de-sensibilisiert, geradeaus hindurch galoppiert. Über Schleim, Öl, Blut Geld und Lügen. Du frisst. Du benutzt. Du trittst, schlägst und ruderst. Dann wirst Du konsumiert…

Du, der Planet. Bist schwanger. Bist Dasein. Dein Werk. Neu erschaffen. Du konstruierst Dich und baust. Pflanzt, lässt wachsen. Pflügst Erde um, streust Saaten aus. Dann hoffst Du auf Regen. Wartest, ruhst aus. Durstend auf trockenem Grund. Schwanger mit neuer Bevölkerung. Bis Du verdampfst, kondensierst und steigst auf. Bis du brichst und wieder herunter fällst. Bis Du niederschlägst. Und Deinen eigenen Boden nährst. Du wächst. Du erntest. Du brauchst. Also kreierst Du und baust – Dein Werk, Dein Dasein, Dein Haus. Du zehrst von Dir selbst. Und Du bist, bist… 

Nervös. Willst ständig das Thema wechseln. Nachlässig werden. Laut mit Leise verwechseln, beim Quatschen und Lallen. Atmen und hecheln, nicht lachen, nicht lächeln. Und nicht mehr erzählen — ins Dichten verfallen. Statt zu analysieren, gleich nehmen und wieder zitieren. Nicht transformieren. Direkt. Pur. Keine Zeit für komplexe Geschichten. Nur schlichtweg Konstrukte zerbrechen. Strukturen umrennen etc.. Nicht zu Ende denken, vorher abschweifen. Richtung wechseln. Haken schlagen. Tausch — Umtauschen. Entschei — Umentscheiden. Und schnell, schnellschnell über Luftlinie laufen. Durch Barrikaden tanzen. Trommeln schlagen. Keine Pläne haben. Ganz einfach los. Hauptsache endlich weiter. Weit-weit-weiter und: Woah! – Mit den Augen atmen... Und: Mmmhh… – Ohrenrauschen! Mit jeder einzelnen Zelle lachen. Und trinken. Noch einen bitteren, großen Schluck Leben nehmen. Und noch einen. Einen noch. Mehr, bitte mehr! Du bist, bist… 

Euphorisch. Hallo?! In die Sonne niesen! Sich drehen!! Licht durch geschlossene Lider orange leuchten sehen!!! Vor Freude quietschen und das auch noch hören. Schwören, wirklich nur ganz kurz zu stören. Vor Aufregung zittern. Aus Verlegenheit reden. Mit offenen Händen aufheben, nehmen. Greifen und schmecken — fluchen. Nochmal versuchen. Wieder probieren, absorbieren. Zustimmen, zu sagen auch meinen. Vereinen. Erstmal dran glauben, weinen, verneinen. Aufsaugen, sich schreiend verbrennen. Mund oder Augen. Nicht verwundert verbleiben — wegrennen! Rennrennen, und rennen bis Du müde bist, du bist…

Müde. Kannst fast nicht mehr stehen. Willst fallen, entspannen. In alle Richtungen wehen. Du suchst ein Versteck. Unterschlupf, Sicherheit. Bekanntes Revier. Bilder und Stimmen von damals, weit her, vermischen sich schon mit dem Hier. Hinter den Augen ein krabbelndes Tier. Im Hinterkopf Summen. Gewicht-Wellen rollen.Vom Nacken her nieder, über all deine Glieder. Kommen zur Ruhe auf deiner Brust. Jemand steigt auf ein hohes Gerüst. Ein Freund spricht zu Dir. Etwas fällt. Zerbricht. Wird zu Staub und verweht in jede Richtung zugleich. Hier nicht mehr, hier. Du bist, bist… 

Blockiert. Bist echt – Falsch. Fehler! -- schräg drauf. Und Du vergisst. Weißt nichts — bist Du überhaupt da? Erinnerst Dich nicht. Aber Ich – Du? Achtung: Ego! Du, wer? Wenn also, ich Nicht-ich, ich Wicht-ich... natürlich. Aber was — Schließen sie schon?! Störst Du, gehörst Du versteckt? Wohin? Es ist nicht so schlimm. Doch! Aber nicht nur. Die Melodie spielt noch. Immerzu. Weisheiten altklug. Die Dummheiten gut. Pathetisch das Lob und das Lied. Dies und jenes Bedürfnis tobt. Wurde lang nicht bedient. Wie – sollst Du?! Wär das nicht schlecht? Zu einfach und schädlich dazu? Sie zählen darauf. Aber solltest nicht eigentlich Du ich-erzählen? Das Schweigen beschreiben – BLOCKADE! – warum kannst Du nicht bleiben? Gleich musst Du gehen. Bald. Jetzt musst Du gehen. Wohin? Es ist gut, nicht so schlimm. Doch! Nein, schlecht. Echt! Dir ist übel und – Schnauze! Hau ab! Du bist weg. Brauchst Ruhe und Raum. Es ist eng hier. Zu klein. Was ist falsch, wir? Du allein? Egal, vergiss es! Verpiss Dich! Weg! Du bist weg. Du bist… 

Fremd. Offensichtlich. Sitzt da. Gerade, aufrecht. Sehr sichtbar. Du sitzt. Wirst Du? Angeguckt. Wirkst Du? Anders, sonderbar. Zu massiv. Bist Du? Vom Wesen her auffallend naiv. Deine Person völlig schräg und der Körperbau schief? Deine Haut ist glücklicherweise gut abgedeckt. Dein XXL Zwiebellook ein gutes Versteck. Aber warm — Phhhu! — und Du schwitzt. Fragst Dich selbst, ob Du dreckig bist. Dreck Ich? Bewegst Dich unauffällig. Fast nicht. Kaum wahrnehmbar. Es gibt Dich zwar, bist aber beinahe unsichtbar. Stimmen schwirren und rasseln. Nah, näher. Laut, lauter. Herablassend. Flüstern und tuscheln. So, dass es zischt. Dicht, dichter und – klar: Sie reden über Dich! Nein, so wichtig bist Du nicht. Tippt der Typ am Nebentisch vielleicht gar keine Textnachricht? Er hält sein iPhone so, dass Du für ein Foto genau im Sucher sitzt. Clever, denkst Du. Wahrscheinlich ließt er per Zoom sogar Deine Notiz. Fuck you, schreibst Du. Schaust dann den Passanten auf der Straße zu: Blinde; Blondierte; Brust-operierte. Blutjunge; bärtige Bier-trinkende. Ein schmutziger Alter findet Geld in der Gosse. Hebt es auf, aber freut sich nicht. Zumindest nicht öffentlich. Vielleicht heimlich, denkst Du. Ist Dir aber egal. Du bleibst still und neutral. Du bist… 

Fast beruhigt. Du vertraust und hast Zeit. Bist in der Bahn. Auf dem Gleis. Vergleichst Dich nicht. Jemand begleitet Dich — Du. Weißt vom Überfluss. Glaubst. Dass man Dir widerspricht, beunruhigt Dich nicht. Du weißt. Auch, wozu Du ungefähr fähig bist. Hinterfragst Dich selbst, aber zweifelst nicht. Freundschaft beschränkt, Liebe zwingt Dich nicht. Leben macht Sinn. Ist Sinn an sich. Du siehst hin und hörst zu. Und Du sprichst. Deutlich natürlich und klar. Ganz normal. Du hast was Du brauchst. Ist nicht viel. Du weißt Dir zu helfen. Erlaubst und empfängst. Gibst. Lässt zurück, los. Gehst weiter. Auf deinem Gleis. Versuchst. Und nochmal. Und versuchst eben wieder. Verzeihst Dir und mir. Bist dem Wahnsinn, in aller Bescheidenheit, überlegen. Kannst Dich, egal wie, bewegen. Still sein. Stehen. Ausruhen. Liegen. Gemeinsam und frei. Zusammen in Bahnen, erfahren. In Zweigen, entscheiden. Verbinden, lieben — egal. Einfach normal. Wahrnehmen, nicht weiter benennen. Verraten, bekennen. Du verstehst. Glaubst, vertraust — normal. Echt. Du darfst echt, normal sein, natürlich darfst Du! Du bist, bist…

Normal. Sitzt zwischen Zickzack-Blicken, die entstehen, wenn Jeder hier irgendwen für verdächtig normal hält, der pfandflaschenweise schlechte Gewohnheiten bestellt, in jute Taschen einpackt, und auf dem Heimweg wahrscheinlich versackt. Der Augen-Blick gilt als Waffe am Abend. Es gibt spät nachts, wie früh morgens, ein stetes Angebot rauer Mengen gegen die Sorgen. So, dass Du glaubst, ja glaubst, da für immer Überfluss herrschen muss, kaufen zu müssen, und kaufst. Kaufst Blicke. Genießt und ernährst Dich zwanghaft. Zwingst, haftest. Bleibst hier, in Neu-, Neuer-, Am-Neuesten-Kölln. Bleibst hier und bist…

Still. Schhhh… Wir sind dumm. Wissen wir, wissen wir. Wir denken nicht an Tatsachen. Wir reden nicht von Fakten. Wir sagen Uuh, Oh, Mmmmhh, Aah… Licht. Blendendes Weiß. Du siehst echt schlecht, aber nicht Nichts – dann wärst Du ja frei – sondern eher zu Viel ist das alles, zu dicht! Eine zu hohe Dichte an Information und an Reiz, die nah, viel zu nah und chaotisch ist, und alles versperrt. So dass nichts rein oder raus gelangt. Nichts. Du bist still. Das Draußen ist grell. Will was von Dir. Bedrängt Dich. Nimmt Dir die Luft. Bewegt Dich nicht. Schluckt jeden Impuls. Und auch jeden Laut. Frisst Ideen einfach so auf. Also kippst Du nach Innen. Lässt Dich fallen, indem Du Nerven von Nerven und Muskeln abtrennst. Synapsen auflöst und lähmst. Reaktionen sind dann unmöglich. Und auch nicht nötig. In Dir ist es dunkel und tief, etwas zieht. Weg von Form, Körper und Raum. Du trennst die Verbindung, fühlst Auflösung. Doch ganz kannst Du nicht, jetzt noch nicht, gehen. Du weißt um Begrenztheit. Weißt um das Draußen und um sein Licht. Und um die Verbindungen, die Du nicht ganz loslassen… willst. Weißt das dies Ende noch endlich ist. Zögerst es raus. Doch je länger Du fort bleibst, desto komplexer wird Hier, das Chaos, das dich absorbiert…

Es tropft, es rauscht, es fließt. Es rieselt, hagelt, steigt – Es flutet. Und du bist… Bis es aufhört. Bis es anfängt — 




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